ETRON und die E-Rechnung: Senden ja, aber erst ab dem richtigen Tarif (2026)
Von:
Christian Jansen
Letztes Update 14.07.2026
Kurz gesagt (Stand 2026): ETRON kann E-Rechnungen senden, aber erst ab den größeren Tarifen. Den automatischen Empfang deckt es nicht ab.
- E-Rechnung empfangen: kein automatischer Eingang, nur manuelle Erfassung
- E-Rechnung senden: ja, XRechnung und ZUGFeRD/Factur-X, ab Tarif „Kasse Pro“
- DATEV: CSV-Export ab „Kasse Pro“, ohne Eingangsrechnungen
ETRON onRetail gehört zu den wenigen Kassensystemen im Vergleich, die E-Rechnungen wirklich versenden. Der Haken liegt im Tarif und beim Empfang. Wenn du einen Betrieb führst, der ab 2027 oder 2028 unter die Versandpflicht fällt, willst du genau wissen, was heute schon produktiv geht und wo du eine Lücke selbst schließen musst. Hier steht, was ETRON bei der E-Rechnung leistet, worauf du beim Paket achten musst und wie du die Empfangspflicht sauber löst.
Worum es bei der E-Rechnungs-Pflicht geht
Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes Unternehmen B2B-E-Rechnungen empfangen und GoBD-konform archivieren können. Das gilt bereits, ohne Übergangsfrist beim Empfang. Das Versenden wird gestaffelt Pflicht: ab dem 1. Januar 2027 für Betriebe mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz, ab dem 1. Januar 2028 für alle übrigen Unternehmen. Wer also heute noch Papier- oder PDF-Rechnungen an Geschäftskunden schickt, hat je nach Umsatz noch etwas Zeit, muss aber eingehende E-Rechnungen schon jetzt verarbeiten können.
Wichtig zum Verständnis: Eine E-Rechnung im Sinne des Gesetzes ist ein strukturierter Datensatz nach der europäischen Norm EN 16931, kein PDF und kein eingescanntes Blatt. In Deutschland sind vor allem zwei Formate relevant. XRechnung ist ein reiner XML-Datensatz, der vor allem im Behördenverkehr verlangt wird. ZUGFeRD beziehungsweise dessen europäisches Pendant Factur-X kombiniert ein sichtbares PDF mit eingebetteten XML-Daten, sodass Mensch und Buchhaltungssoftware dieselbe Rechnung lesen können. Beide erfüllen die gesetzliche Anforderung. Ein klassisches PDF, das du per Mail verschickst, erfüllt sie nicht.
Was kann ETRON bei der E-Rechnung?
Beim Versand ist ETRON solide aufgestellt. In der Preis-Vergleichstabelle steht: „Versenden von gesetzeskonforme E-Rechnungen direkt per E-Mail. Unterstützt werden die Formate Factur-X (PDF/A-3, ZUGFeRD), XRechnung und Peppol.“ Wir listen hier trotzdem nur XRechnung und ZUGFeRD/Factur-X als gesicherte Fähigkeiten, denn der auf der Preisseite mitbeworbene PEPPOL-Versand taucht im technischen Helpcenter nirgends auf. Ohne Beleg in der Doku zählt eine Marketingzeile für uns nicht als belastbare Funktion. Wenn PEPPOL für dich zwingend ist, etwa weil ein Großkunde oder eine öffentliche Stelle diesen Übertragungsweg vorschreibt, klär das vor Vertragsabschluss direkt mit dem ETRON-Vertrieb ab.
Der Versand läuft direkt aus dem System per E-Mail. Aktiviert wird das im Journal Kundenrechnungen unter den erweiterten Einstellungen. Du erzeugst also deine Ausgangsrechnung wie gewohnt und gibst sie im normkonformen Format an den Empfänger weiter, ohne ein zweites Tool dazwischenzuschalten.
Ab welchem Tarif das Senden funktioniert
Der Tarif entscheidet, ob du überhaupt E-Rechnungen versenden kannst. Das Senden ist ab „Kasse Pro“ (54 Euro pro Monat netto) enthalten, im Einstiegstarif „Kasse Start“ (29 Euro) nicht. Wer bisher mit dem günstigsten Paket kalkuliert hat und ab 2027 senden muss, sollte diesen Sprung von 29 auf 54 Euro pro Monat in die Rechnung aufnehmen. Über die höheren Pakete „Kasse & WaWi“ (109 Euro) und „All-in-one“ (169 Euro) ist die Funktion ebenfalls abgedeckt, dort steckt sie im größeren Funktionsumfang mit drin.
Kurz gesagt: Wer nur einen kleinen B2B-Anteil hat, aber ab dem Stichtag rechtssicher fakturieren muss, kommt am Wechsel auf mindestens „Kasse Pro“ nicht vorbei. Für einen reinen Endkundenbetrieb ohne Geschäftskundenrechnungen ist das kein Thema, für einen Mischbetrieb mit ein paar Firmenkunden im Monat schon.
Beim Empfang klafft eine Lücke
So ordentlich der Versand ist, so deutlich fehlt der Gegenpart. Einen automatischen Eingang für E-Rechnungen gibt es bei ETRON nicht. Es existiert kein XML-Import, kein PEPPOL-Inbound und kein dediziertes E-Mail-Postfach, das eingehende Rechnungen strukturiert einliest und ablegt. Lieferantenrechnungen erfasst du im Einkaufsmodul manuell, so wie du es von einer klassischen Eingangsrechnungserfassung kennst. Ein GoBD-konformes Eingangsarchiv, das die empfangenen Datensätze unveränderbar aufbewahrt, findet sich in der ETRON-Doku nach aktuellem Stand nicht.
Diese Lücke ist der entscheidende Punkt, denn die Empfangspflicht gilt bereits seit 2025 für alle. Der DATEV-CSV-Export, den ETRON ab „Kasse Pro“ bietet, schließt eingehende Rechnungen zudem ausdrücklich aus. In der Dokumentation heißt es sinngemäß, dass Eingangsrechnungen derzeit nicht Teil des DATEV-Exports sind und unabhängig von den DATEV-Dateien an die Buchhaltung übergeben werden müssen. Deine Lieferantenrechnungen gehen also auf einem separaten Weg an den Steuerberater.
So erfüllst du die Empfangspflicht mit ETRON
Weil ETRON den Empfang nicht abdeckt, hängt der richtige Weg davon ab, wie dein Betrieb strukturiert ist. In der Praxis läuft es auf zwei Fälle hinaus.
Reiner Endkundenbetrieb: Wenn du praktisch nur an Privatkunden verkaufst und kaum Lieferantenrechnungen im E-Rechnungsformat bekommst, geht der Empfangsbedarf gegen null. Für dich zählt vor allem der Versand, und den deckt ab „Kasse Pro“ das System selbst ab. Die reine Empfangsfähigkeit brauchst du formal trotzdem, praktisch fällt sie kaum ins Gewicht.
Mischbetrieb mit Lieferantenrechnungen: Sobald du regelmäßig Eingangsrechnungen von Lieferanten oder Dienstleistern erhältst, brauchst du ein externes Tool für den automatischen Empfang und das GoBD-Archiv. Bewährt haben sich hier:
- DATEV Unternehmen online mit E-Rechnungsplattform, wenn dein Steuerberater ohnehin DATEV nutzt.
- Spezialisierte Rechnungs-Tools wie GetMyInvoices, Candis oder Lexware Office, die eingehende E-Rechnungen automatisch abholen, prüfen und revisionssicher archivieren.
Das Zusammenspiel ist unkompliziert: ETRON liefert deine Ausgangsrechnungen und die Kassendaten über die DATEV-Schnittstelle nach, das externe Tool übernimmt den Eingang und die Archivierung. So schließt du die Empfangslücke, ohne das Kassensystem wechseln zu müssen. Der Preis dafür ist ein zweites Abo und ein zusätzlicher Prozess in der Buchhaltung, den du sauber dokumentieren solltest.
DATEV-Anbindung: Was der Export leistet und was nicht
Die DATEV-CSV-Schnittstelle steht ab „Kasse Pro“ bereit und lässt sich um bis zu 20 Zusatzfelder erweitern, sodass dein Steuerberater die Kassen- und Ausgangsdaten in der von ihm gewünschten Struktur bekommt. Für die laufende Buchhaltung der Umsätze ist das komfortabel. Der wichtige Vorbehalt bleibt aber bestehen: Eingangsrechnungen sind im DATEV-Export nicht enthalten. Wer glaubt, mit dem DATEV-Export sei die komplette Belegkette abgedeckt, irrt. Die Eingangsseite läuft immer über einen zweiten Kanal, egal ob du sie manuell erfasst oder über ein externes Empfangs-Tool automatisierst.
Was du 2027 und 2028 konkret tun solltest
Der praktische Fahrplan hängt an deinem Umsatz und deinem Kundenmix. Ein paar Schritte lohnen sich für fast jeden Betrieb schon jetzt, statt kurz vor dem Stichtag.
Prüf zuerst deinen Tarif. Läufst du auf „Kasse Start“ und hast Geschäftskunden, plan den Wechsel auf mindestens „Kasse Pro“ ein und kalkuliere den Aufpreis mit deinem tatsächlichen B2B-Volumen gegen. Der Sprung lohnt sich nur, wenn du wirklich E-Rechnungen versenden musst.
Kläre parallel den Empfang. Entscheide früh, über welches Tool eingehende E-Rechnungen ankommen und archiviert werden, und sprich das mit deinem Steuerberater ab. Das ist der Teil, den ETRON dir nicht abnimmt, und die Empfangspflicht gilt bereits.
Und frag beim Anbieter selbst nach dem aktuellen Stand. Gerade beim Thema PEPPOL und bei möglichen Erweiterungen der Empfangsfunktion lohnt eine kurze Rückfrage beim ETRON-Vertrieb, weil sich die Roadmap solcher Systeme laufend bewegt. Verlass dich für rechtsverbindliche Zusagen nicht allein auf die Marketingtabelle, sondern hol dir die Funktion schriftlich bestätigt.
Wie sich ETRON im E-Rechnungs-Feld einordnet
Im Vergleich der Kassensysteme steht ETRON beim Versand besser da als viele Wettbewerber, die E-Rechnungen bisher gar nicht selbst erzeugen. XRechnung und ZUGFeRD direkt aus dem System heraus zu versenden, ist ein handfester Vorteil für Betriebe mit Geschäftskunden. Die andere Seite der Medaille ist der fehlende Empfang und die Bindung der Versandfunktion an die höheren Tarife. ETRON löst die E-Rechnungs-Pflicht damit halb: die Ausgangsseite gut, die Eingangsseite gar nicht. Für einen Betrieb, der beide Richtungen aus einer Hand abgedeckt haben will, bedeutet das ein zusätzliches Tool. Wer vor allem sendet und den Empfang ohnehin über die Buchhaltung organisiert, findet in ETRON eine brauchbare Grundlage.
Häufige Fragen
Kann ETRON E-Rechnungen senden?
Ja, in den Formaten XRechnung und ZUGFeRD/Factur-X (PDF/A-3), direkt per E-Mail aus dem System. Verfügbar ist die Funktion ab dem Tarif „Kasse Pro“. Im Einstiegspaket „Kasse Start“ ist sie nicht enthalten.
Kann ETRON E-Rechnungen automatisch empfangen?
Nein. Es gibt keinen automatischen Eingang, weder per XML-Import noch per PEPPOL oder E-Mail-Postfach. Lieferantenrechnungen erfasst du manuell im Einkaufsmodul oder über ein externes Empfangs-Tool.
Kann ich mit ETRON schon heute XRechnungen versenden?
Ja, sofern du mindestens den Tarif „Kasse Pro“ (54 Euro pro Monat netto) nutzt. Die Funktion aktivierst du im Journal Kundenrechnungen unter den erweiterten Einstellungen. Der Versand läuft direkt per E-Mail an den Empfänger, ein zusätzliches Programm brauchst du dafür nicht.
Welche E-Rechnungs-Formate versendet ETRON?
Nach aktuellem, konservativem Stand XRechnung (reines XML) und ZUGFeRD beziehungsweise Factur-X (PDF/A-3 mit eingebetteten XML-Daten). Beide erfüllen die Norm EN 16931. PEPPOL wird auf der Preisseite zwar mitbeworben, ist im technischen Helpcenter aber nicht dokumentiert. Wenn du PEPPOL zwingend brauchst, lass dir die Funktion vor Vertragsabschluss vom ETRON-Vertrieb bestätigen.
Was kostet die E-Rechnung bei ETRON zusätzlich?
Für die E-Rechnung selbst fällt kein separater Aufpreis an, sie steckt im Tarif. Entscheidend ist nur, dass du mindestens „Kasse Pro“ (54 Euro pro Monat netto) buchst, weil „Kasse Start“ (29 Euro) den Versand nicht abdeckt. Kosten entstehen zusätzlich, wenn du für den Empfang ein externes Tool wie GetMyInvoices, Candis oder DATEV Unternehmen online einsetzt.
Sind Eingangsrechnungen im DATEV-Export enthalten?
Nein. Der DATEV-Export deckt Kassen- und Ausgangsdaten ab, schließt eingehende Rechnungen aber ausdrücklich aus. Deine Lieferantenrechnungen musst du unabhängig davon an die Buchhaltung übergeben, entweder manuell oder über ein externes Empfangs-Tool.
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