Tillhub und die E-Rechnung: Was die Kasse kann (2026)
Von:
Christian Jansen
Letztes Update 14.07.2026 Lesezeit 4:18 Min.
Kurz gesagt (Stand 2026): Tillhub ist eine POS-Kasse mit DATEV-Export, ohne dokumentierte E-Rechnungs-Funktion.
- E-Rechnung empfangen: nicht dokumentiert
- E-Rechnung senden: nicht dokumentiert
- DATEV: ja, als Export (kein zertifiziertes Schnittstellen-Siegel belegt)
Tillhub ist ein iPad-Kassensystem, gebaut für Verkauf und Belegausgabe. Für die E-Rechnung heißt das: Die Kasse ist nicht der richtige Ort dafür. Was tatsächlich belegt ist und wie du die Empfangspflicht trotzdem löst, steht unten.
Worum es bei der E-Rechnungs-Pflicht geht
Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes Unternehmen B2B-E-Rechnungen empfangen und GoBD-konform archivieren können. Das Versenden wird gestaffelt Pflicht: ab dem 1. Januar 2027 für Betriebe mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz, ab dem 1. Januar 2028 für alle. Eine E-Rechnung ist ein strukturierter Datensatz nach EN 16931 (XRechnung oder ZUGFeRD), kein PDF.
Die beiden gängigen Formate unterscheiden sich deutlich. Die XRechnung ist ein reiner XML-Datensatz ohne sichtbare PDF-Ansicht, verbreitet vor allem im Behördenumfeld. ZUGFeRD (und das inhaltsgleiche französische Pendant Factur-X) kombiniert ein lesbares PDF mit einem eingebetteten XML-Teil und ist damit für Menschen wie für Maschinen lesbar. Beide erfüllen die Norm EN 16931. Für dich als Betrieb bedeutet das: Ein aufgehübschtes PDF, das du bisher per Mail verschickt hast, ist keine E-Rechnung im Sinne des Gesetzes. Entscheidend ist der maschinenlesbare Datenkern.
Die Empfangspflicht seit 2025 überrascht viele Betriebe, weil sie ohne Übergangsfrist gilt und unabhängig von der Betriebsgröße. Wer eine strukturierte Eingangsrechnung eines Lieferanten bekommt, muss sie annehmen, verarbeiten und über zehn Jahre revisionssicher aufbewahren können. Ein reines Abspeichern der PDF-Ansicht reicht dafür nicht.
Was kann Tillhub bei der E-Rechnung?
Auf den Produkt- und Preisseiten von Tillhub taucht kein Stichwort zu E-Rechnung, XRechnung, ZUGFeRD oder PEPPOL auf. Beworben werden DATEV-Export und GoBD-konforme Archivierung, Letztere bezieht sich aber auf das Kassenbon- und Tagesjournal-Archiv, nicht auf Eingangsrechnungen. Den einzigen Treffer liefert ein allgemeiner Blogartikel zur E-Rechnungs-Pflicht. Er erklärt die Gesetzeslage, beschreibt aber keine eigene Tillhub-Funktion.
Die DATEV-Anbindung beschreibt Tillhub als „DATEV-konforme Datenübergabe“. Das ist ein Buchungssatz-Export für den Steuerberater, kein zertifiziertes Schnittstellen-Siegel und kein Rechnungsaustausch. Eine Funktion zum Empfangen eingehender E-Rechnungen oder zum Erzeugen strukturierter Ausgangsrechnungen ist nicht dokumentiert.
Empfang: keine dokumentierte Funktion
In der Tillhub-Dokumentation ist keine Möglichkeit belegt, eine XRechnung oder ZUGFeRD-Datei einzulesen, zu prüfen und GoBD-konform abzulegen. Die zehnjährige revisionssichere Archivierung, mit der Tillhub wirbt, deckt Kassenbelege und das Tagesjournal ab, also die Kassenseite der Buchführung. Eingangsrechnungen von Lieferanten, genau der Bereich, den die Empfangspflicht seit 2025 betrifft, fallen nicht darunter. Wer die Empfangspflicht mit der Kasse allein abdecken will, deckt sie nicht ab.
Senden: auf Belegausgabe ausgelegt, kein Faktura-System
Beim Versand ist die Lage ähnlich klar. Tillhub ist eine POS-Kasse für die Belegausgabe am Verkaufspunkt, kein B2B-Faktura-System, das strukturierte Ausgangsrechnungen im XRechnungs- oder ZUGFeRD-Format erzeugt. Der Kassenbon für einen Gast oder Kunden ist etwas anderes als eine E-Rechnung an einen Geschäftskunden. Eine Funktion, die aus dem POS-Datenstrom eine normkonforme B2B-Rechnung baut, ist nicht dokumentiert. Für die kommende Sendepflicht ist die Kasse damit nicht das Werkzeug der Wahl.
So erfüllst du die Empfangspflicht
Bei Tillhub-Nutzern gehört die E-Rechnung in den Buchhaltungs-Stack, nicht in die Kasse. Konkret:
- DATEV Unternehmen online für Kanzlei-Kunden, ergänzt um die DATEV-E-Rechnungsplattform für Empfang, Archivierung und Versand.
- lexoffice oder sevDesk für kleinere Betriebe. Den Tillhub-DATEV-Export kann man dort indirekt einspielen, Empfang und Versand der E-Rechnungen übernimmt dann die Buchhaltungssoftware.
Dahinter steckt eine saubere Arbeitsteilung. Tillhub liefert den POS-Datenstrom, also deine Verkäufe und Tageseinnahmen, über den DATEV-Export an die Buchhaltung. Der Empfang, die Prüfung, die Archivierung und ab 2027 auch der Versand der eigentlichen E-Rechnungen laufen über das Buchhaltungstool. Die Kasse macht die Kasse, die Buchhaltung macht die Rechnungen.
Dein Handlungspfad in drei Schritten
Kurz gesagt: Du brauchst kein neues Kassensystem, sondern ein Buchhaltungstool, das den E-Rechnungs-Teil übernimmt. In der Praxis heißt das:
- Lege fest, wohin eingehende E-Rechnungen laufen. Bei Kanzlei-Anbindung ist das DATEV Unternehmen online, bei kleineren Betrieben ein Tool wie lexoffice oder sevDesk. Wichtig: Der Kanal muss XRechnung und ZUGFeRD einlesen und zehn Jahre revisionssicher archivieren können.
- Stelle sicher, dass der Tillhub-DATEV-Export sauber in deine Buchhaltung läuft, damit Kassenumsätze und Rechnungsverarbeitung an einer Stelle zusammenkommen.
- Frag bei Tillhub aktiv nach dem aktuellen Stand zu E-Rechnung. Roadmaps ändern sich, und was heute nicht dokumentiert ist, kann morgen als Funktion dazukommen. Bis dahin planst du den Buchhaltungsweg fest ein.
Was 2027 und 2028 dazukommt
Für die Sendepflicht ab 2027 (größere Betriebe) und ab 2028 (alle) erzeugst du strukturierte B2B-Rechnungen über dein Buchhaltungstool, nicht über die Kasse. Tillhub liefert den POS-Datenstrom, die Rechnungsarbeit findet in der Buchhaltung statt. Bei reinen POS-Kassen ist das üblich, es lohnt sich aber, das frühzeitig einzuplanen.
Wer den Buchhaltungsweg jetzt schon aufsetzt, muss später nur noch den Versand aktivieren statt unter Zeitdruck ein neues Setup zu suchen. Für die meisten Gastronomie- und Handelsbetriebe mit Tillhub liegt der Vorjahresumsatz unter der 800.000-Euro-Schwelle, sodass die Sendepflicht erst 2028 greift. Der Empfang bleibt aber seit 2025 Pflicht, egal wie groß der Betrieb ist. Deshalb muss der Empfangsweg jetzt sitzen.
Wie sich Tillhub im E-Rechnungs-Feld einordnet
Tillhub verhält sich hier wie viele reine POS-Kassen: stark am Verkaufspunkt, aber ohne eigenes Faktura-Modul für den B2B-Rechnungsaustausch. Das ist kein Ausschlusskriterium, sondern eine Frage der Zuständigkeit. Solange dein Buchhaltungstool Empfang und Versand sauber abdeckt und der DATEV-Export läuft, ist die Kombination praxistauglich. Wer dagegen erwartet, dass die Kasse selbst E-Rechnungen empfängt und versendet, sollte diese Erwartung an das Buchhaltungssystem richten, nicht an Tillhub.
Häufige Fragen
Kann Tillhub E-Rechnungen empfangen oder senden?
Keine der beiden Funktionen ist dokumentiert. Beides läuft über ein separates Buchhaltungstool, zum Beispiel DATEV Unternehmen online, lexoffice oder sevDesk.
Ist der DATEV-Export von Tillhub zertifiziert?
Tillhub wirbt mit DATEV-konformer Datenübergabe, also einem Buchungssatz-Export für den Steuerberater. Ein zertifiziertes Schnittstellen-Siegel weist die Website nicht aus.
Reicht die GoBD-Konformität der Kasse für E-Rechnungen?
Nein. Sie bezieht sich auf das Kassenbon-Archiv, nicht auf den Empfang und die Aufbewahrung eingehender Lieferantenrechnungen.
Kann ich mit Tillhub schon heute XRechnungen empfangen?
Welche Formate versendet Tillhub?
Was kostet die E-Rechnung bei Tillhub?
Tillhub
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