Kassensystem Gastronomie: Diese Funktionen brauchst du wirklich (2026)
Von:
Christian Jansen
Letztes Update 30.04.2026
Du stehst vor der Entscheidung für ein neues Gastro-Kassensystem und liest dich durch Feature-Listen, die länger sind als deine Speisekarte. Tischverwaltung, Gangsteuerung, Splitbuchung, KDS, RFID, Self-Order, Lieferando-Integration. Jeder Anbieter wirbt mit irgendwas. Die Wahrheit ist: Ein Foodtruck braucht keine Gangsteuerung, ein Café keine RFID-Chipkarten, und ein Restaurant ohne Tischverwaltung ist ein Witz.
Dieser Artikel sortiert das für dich. Was brauchst du wirklich, was ist nice-to-have, was ist überflüssig. Mit ehrlichen Hinweisen, wo die großen Anbieter Lücken haben.
- Grundfunktionen (Bon-Druck, TSE, Kartenzahlung, Mitarbeiter-Login) sind für jeden Gastro-Betrieb Pflicht. Der Rest hängt vom Betriebstyp ab.
- Restaurants brauchen Tischverwaltung, Funkbonierung, Gangsteuerung und Splitbuchung. Cafés und Foodtrucks nicht.
- Bei ready2order sitzen die Gastro-Funktionen im Gastro-Paket (23,90 Euro pro Monat zusätzlich zum Basis-Tarif).
- KDS (Kitchen Display) ist bei Gastronovi kostenlos inklusive, bei Lightspeed ca. 28 Euro pro Monat pro Bildschirm. ready2order hat aktuell kein KDS.
- Quandoo wird im September 2026 abgeschaltet. Rund 16.000 Betriebe müssen sich ein neues Reservierungssystem suchen.
- Achte auf Splitbuchung nach Artikeln (nicht nur nach Personen) und auf den Unterschied zwischen QR-Speisekarte und echter QR-Bestellung.
Die Grundfunktionen, die jede Gastro-Kasse braucht
Bevor wir über Spezial-Features reden: Es gibt eine Basis, ohne die nichts läuft. Wenn ein Anbieter hier Lücken hat, kannst du direkt weiterscrollen.
Artikel-Verkauf mit Kategorien. Du brauchst eine klare Artikelverwaltung mit Preis, Mehrwertsteuersatz (7 Prozent im Außerhausverkauf, 19 Prozent im Restaurant) und Kategorien. Ohne saubere Struktur geht später kein vernünftiges Reporting.
Bon-Druck. Kundenbeleg per Bondrucker oder digital. Seit 2020 gilt die Belegausgabepflicht. Jeder Gast bekommt einen Beleg, ob er will oder nicht.
TSE. Technische Sicherheitseinrichtung, seit der KassenSichV Pflicht. Cloud-TSE oder lokaler TSE-Chip. Ohne TSE drohen Bußgelder und Probleme bei der Betriebsprüfung. Details dazu stehen im Artikel zur Kassenpflicht in der Gastronomie.
Kartenzahlung. EC, Kreditkarte, Apple Pay, Google Pay. Mobil oder stationär. Ohne geht gar nichts mehr, selbst der Imbiss um die Ecke akzeptiert heute Karte.
Mitarbeiter-Login. Jeder mit eigenem Code, PIN oder Karte. Umsätze pro Kellner, Schichtabrechnung, Zugriffsrechte. Ohne Mitarbeiterverwaltung kannst du keine Schichten sauber abrechnen und bei Problemen nicht nachvollziehen, wer was gemacht hat.
Offline-Modus. Zumindest in rudimentärer Form. Wenn das Internet aussteigt, muss die Kasse weiterbuchen können. Wie weit der Offline-Modus reicht, ist eine der wichtigsten Stolperfallen, dazu später mehr.
Tischverwaltung: Nur fürs Restaurant relevant
Mit der Tischverwaltung siehst du deinen Gastraum auf dem Bildschirm: welche Tische belegt sind, welche Bestellungen offen sind, wo ein Gast wartet. Farbcodierung, Drag-and-Drop für Umbuchungen, getrennte Bereiche für Saal, Terrasse und Bar.
Im Restaurant mit 40 Sitzplätzen macht das Sinn. Im Foodtruck? Totaler Unsinn. Der Kunde steht am Fenster, bestellt, zahlt, geht. Kein Tisch, keine offene Rechnung, kein Umbuchen.
Die Faustregel: Wenn du mit Tischservice arbeitest und Bestellungen über längere Zeit offen sind, ist Tischverwaltung nicht verhandelbar. Für alle anderen ist sie überflüssiger Ballast.
Bei ready2order sitzt die Tischverwaltung im Gastro-Paket (23,90 Euro pro Monat, Stand 04/2026) oben auf den Basis-Tarif von 35,90 Euro. Bei Lightspeed, Gastronovi, orderbird, Vectron und Tillhub ist sie im Gastro-Kernpaket enthalten. SumUp Basis kann das nicht, SumUp Pro schon.
ready2order
Für die meisten klassischen Restaurants und Cafés ist ready2order mit dem Gastro-Paket eine gute Standard-Wahl. Tischverwaltung, Funkbonierung, Splitbuchung und Happy Hour sind dort gebündelt. Wichtig: Der Gesamtpreis liegt inklusive Basis-Tarif und TSE bei rund 75,70 Euro pro Monat, nicht bei den 35,90 Euro, die du oft auf Preisseiten zuerst siehst.
Funkbonierung und Handheld-Geräte
Funkbonierung heißt: Der Kellner nimmt die Bestellung direkt am Tisch auf einem mobilen Gerät auf. Das Ding funkt die Bestellung per WLAN an die Küche und an die Bar. Kein Zettelchaos, kein Rennen zur Kasse.
Im Biergarten mit 30 Tischen, schlechter Beleuchtung, viel Lärm läuft das richtig gut, solange dein WLAN steht. Der Kellner tippt „Weizen x2, Schnitzel x1, Hauptgang“, drückt Senden, und die Küche weiß Bescheid.
Handheld (kleines Gerät, Einhandbedienung) oder Tablet? Handhelds sind schneller am Gast und in der Tasche, Tablets haben die bessere Übersicht bei komplexen Karten. Bar und Biergarten: Handheld. Fine Dining mit langer Weinkarte: Tablet.
Vorteile
- Schnellere Bestellaufnahme, weniger Laufwege
- Keine handschriftlichen Bons, weniger Verlese-Fehler
- Küche und Bar bekommen Bestellungen parallel
- Besserer Service bei vollem Haus
Nachteile
- Hardware-Investition (Tablets oder Handhelds je 200 bis 800 Euro pro Stück)
- Abhängig von stabilem WLAN, im Außenbereich oft Problem
- Kleinere Betriebe mit 2 bis 3 Tischen brauchen das nicht
- Kellner müssen sich umgewöhnen, vor allem langjährige Mitarbeiter
Wenn du ohne Tischservice arbeitest (Imbiss, Foodtruck, Bäckerei, Bistro mit Theke), kannst du Funkbonierung streichen. Du stehst sowieso an der Kasse.
Gangsteuerung: Der Unterschied zwischen Restaurant und Bistro
Gangsteuerung ist eines der am meisten unterschätzten Features. Du erfasst die komplette Bestellung (Vorspeise, Hauptgang, Dessert) in einem Rutsch, schickst aber nur die Vorspeisen sofort in die Küche. Wenn die Teller leer sind, drückst du „Hauptgang rufen“, und die Küche legt los.
Das klingt simpel, macht aber den Unterschied bei gutem Timing. Keine Zurufe mehr, keine fünfmal „Wann kommt die Hauptspeise?“ vom Gast, keine Panna Cotta, die schon schmilzt, während der Gast noch das Filet kaut.
Aber: Wenn du ein Bistro mit Fokus auf schnelle Küche betreibst, bei dem alles gleichzeitig auf den Tisch kommt, brauchst du Gangsteuerung nicht. Imbiss, Café, Foodtruck, Bäckerei: ebenfalls nein.
Vollservice-Restaurant mit Menü-Service? Das ist die Kernfunktion. Ohne Gangsteuerung arbeitest du entweder mit Zetteln oder sortierst die Bons manuell, und das hält keine Schicht durch.
ready2order hat das im Gastro-Paket als „Menügangauswahl“. Gastronovi, Lightspeed, orderbird, Vectron haben es sauber integriert. Details im Überblick findest du im Ratgeber zu Restaurant-Kassensystemen.
Splitbuchung: Drei Varianten, nur eine taugt wirklich
Splitbuchung kann jedes System. Aber wie es teilt, macht den Unterschied.
Variante 1: Gleichmäßig nach Personen. System teilt die Gesamtrechnung durch die Anzahl der Gäste. 120 Euro durch 4 macht 30 Euro pro Person. Einfach, aber ungerecht, wenn einer nur ein Wasser hatte.
Variante 2: Nach Artikeln. Jeder Gast wählt seine Positionen aus der Rechnung. Flexibel, fair, aber nur möglich wenn Bestellungen personenbezogen erfasst wurden. Das ist die Variante, die du willst.
Variante 3: Prozentual oder nach Betrag. Manuelle Teilbeträge. Für Sonderfälle wie „Wir zahlen 50 Euro, der Rest geht auf ihn“.
In der Praxis: Ein Tisch mit vier Leuten, Gesamtrechnung 120 Euro. Person A hatte Steak und Wein (52 Euro), Person B Pasta und Wasser (28 Euro), C und D teilen sich eine Pizza (40 Euro). Sauberes System: A zahlt 52 per Karte, B 28 bar, C und D je 20. Schlechtes System: alle zahlen 30. Dann beginnt die Diskussion am Tisch.
Die Stolperfalle: Manche günstige Systeme bieten nur die gleichmäßige Teilung an. Beim Feature-Check immer nach „Splitbuchung nach Artikeln“ fragen, nicht nur „Splitbuchung vorhanden“.
ready2order kann das im Gastro-Paket („Getrennte Rechnung“), Lightspeed hat besonders umfangreiche Split-Optionen, orderbird und Gastronovi ebenfalls. SumUp Pro hat Rechnungsteilung, SumUp Basis nicht.
Happy Hour und Zeitpreise: Bar-Standard, Restaurant-Kür
Happy Hour heißt: Dienstags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr sind alle Cocktails 3 Euro günstiger. Das musst du entweder manuell aktivieren (Kellner drückt Knopf, Kellner vergisst Knopf) oder das System macht das automatisch nach hinterlegter Zeitregel.
Du willst die automatische Variante. Zeitgesteuerte Preisregel: einmal einrichten, läuft. Dienstag 17 Uhr wechseln die Cocktailpreise von 12 auf 9 Euro, Donnerstag 19 Uhr zurück auf 12. Kein manueller Eingriff, kein Vergessen, keine Fehlbuchung.
Für Bars, Cocktailbars und Clubs ist das Pflicht. Für klassische Restaurants nice-to-have, etwa beim Mittagstisch oder bei saisonalen Aktionen. Für Cafés, Bäckereien, Foodtrucks meistens überflüssig.
Vorhanden bei ready2order (Gastro-Paket), Tillhub, Gastronovi, Lightspeed, orderbird, Vectron (dort auch komplexe Staffelregeln). SumUp hat keine vollwertigen zeitgesteuerten Happy-Hour-Regeln. Details zu Kassen für Bars findest du im Bar-Ratgeber.
Kellnerverwaltung und Trinkgeld-Compliance
Jeder Kellner loggt sich mit eigenem Code, Karte oder PIN ein. Alle Bestellungen, Umsätze und Trinkgelder laufen personenbezogen. Am Schichtende zeigt der Kassenbericht: Kellner A hat 380 Euro Umsatz gemacht, 42 Euro Trinkgeld unbar bekommen.
Das ist die Basis für saubere Schichtabrechnung. Aber es gibt einen zweiten, oft unterschätzten Punkt: Trinkgeld-Compliance.
Alle großen Gastro-Anbieter können das grundsätzlich: ready2order (Trinkgeld im Gastro-Paket), Lightspeed, Gastronovi, orderbird, POSSUM. Wichtig ist, wie die Software das abbildet. Wenn du unsicher bist, frag den Anbieter explizit nach dem Trinkgeld-Reporting und lass dir zeigen, wie die steuerliche Unterscheidung aussieht.
RFID-Gastkarten: Die Nische für Clubs und All-Inclusive
RFID-Chipkarten oder Armbänder sind eine Spezial-Nische. Jeder Gast bekommt am Einlass eine Karte, alle Bestellungen werden darauf gespeichert, bezahlt wird einmal am Ausgang. Klassische Einsatzgebiete: Clubs, Diskotheken, Festivals, Strandbars, Saunaclubs, All-Inclusive-Resorts, Betriebskantinen.
Der Vorteil: keine Barzahlung im dunklen Club, kaum Betrugsrisiko, deutlich schnellere Bar-Abwicklung. Bar-Mitarbeiter scannt Karte, tippt Bestellung, fertig.
Der Haken: Standard-Kassensysteme wie ready2order, SumUp, orderbird bieten keine native RFID-Integration. Wenn du RFID brauchst, suchst du gezielt nach spezialisierten Anbietern:
- Duratec: Kassensysteme speziell für Clubs, Bars und Discos
- OPC cardsystems: RFID-Lösungen für Discothek und Club
- GastroSoft: Event-Add-on mit RFID-Support
- GiroWeb: Betriebsgastronomie mit Kartensystem
Für 99 Prozent aller Gastronomen ist das kein Thema. Wenn du aber einen Club betreibst, musst du RFID von Anfang an in die Systemauswahl einbauen und nicht bei einem Standard-Anbieter verhandeln.
Digitale Speisekarte und QR-Bestellung: Zwei völlig verschiedene Funktionen
Hier gibt es die größte Verwechslung im Gastro-Kassen-Markt. Ein Anbieter wirbt mit „QR-Code-Integration“, und du denkst an Order-and-Pay. Tatsächlich bekommst du eine PDF-Speisekarte, die der Gast auf dem Handy öffnet. Das ist kein QR-Bestellsystem.
QR-Speisekarte. Gast scannt Code, sieht Karte auf dem Smartphone. Bestellung läuft weiterhin beim Kellner. Das ist günstig, einfach umzusetzen, spart Druckkosten. Aber keine echte Automatisierung.
QR-Bestellung (Order & Pay). Gast scannt Code, bestellt und zahlt direkt per Handy. Bestellung geht automatisch in die Küche, Bon wird gedruckt oder im KDS angezeigt. Das entlastet das Personal spürbar, ist aber technisch aufwendiger und kostet meist extra (Modulpreis plus Transaktionsgebühr, bei SIDES etwa 2,5 Prozent pro Transaktion).
Vorteile
- Gast bestellt ohne Warten, auch bei vollem Haus
- Personal wird entlastet, mehr Zeit für Service
- Upselling-Vorschläge (Getränke, Desserts) erhöhen laut Studien den Bon um rund 20 Prozent
- Bestellungen gehen direkt in die Küche, weniger Fehler
Nachteile
- Kostet Transaktionsgebühr (typisch 2 bis 3 Prozent) und oft Modulgebühr
- Ältere Gäste nehmen das weniger an, Verlust an persönlichem Service
- Brauchst funktionierendes Smartphone-WLAN oder LTE-Abdeckung
- Nicht alle Kassenanbieter haben echte Integration, viele nur über Drittanbieter
Zum Status Quo bei den großen Anbietern (Stand 04/2026): ready2order bietet QR-Bestellung laut Support-Seite aktuell nicht an. POSSUM hat ein Self-Ordering-System in der Entwicklung, Rollout voraussichtlich Q1/2026. Lightspeed bietet QR-Bestellung über Marketplace-Integrationen. Gastronovi hat ein eigenes Modul. SIDES (get-sides.de) ist der Spezialist für QR-Bestellung mit Integration in 16 Kassensysteme.
Kitchen Display System (KDS): Wann digitale Bons die Papier-Variante schlagen
KDS ersetzt den Küchendrucker durch einen Bildschirm. Bestellungen erscheinen farbcodiert nach Wartezeit (grün, gelb, rot), sortiert nach Station (Kalt, Warm, Dessert), mit Zeitstempel. Stornos erscheinen sofort, keine ausgedruckten Zettel müssen aus dem Sortierfach gezogen werden.
In mittleren und großen Küchen ist das ein echter Produktivitätshebel. Der Küchenchef sieht, welche Station überlastet ist. Das Schnitzel, das seit 12 Minuten wartet, färbt sich rot: klar, wo jetzt Priorität liegt.
Die Hardware? Jedes robuste Tablet mit Browser reicht für den Anfang. Für dauerhaften Küchenbetrieb brauchst du spritzwassergeschützte Monitore (15 bis 21 Zoll, 400 bis 900 Euro). Industrielle All-in-One-Terminals liegen bei 900 bis 2.000 Euro.
Beim Kassensystem selbst gibt es zwei wichtige Preis-Unterschiede (Stand 04/2026):
- Gastronovi: KDS ist im Kassensystem-Paket kostenlos enthalten (ab 59 Euro pro Monat fürs Kassensystem).
- Lightspeed: KDS kostet ca. 30 US-Dollar pro Monat und Bildschirm, also rund 28 Euro.
- ready2order: KDS ist laut Support-Seite aktuell nicht verfügbar.
- Vectron, orderbird: KDS vorhanden, Preise auf Anfrage.
Gastronovi
Wenn KDS für dich ein zentrales Thema ist (mittleres bis großes Restaurant, getrennte Küchen-Stationen), ist Gastronovi die einzige Lösung mit kostenlosem KDS im Kassensystem-Paket. Bei Lightspeed zahlst du pro Bildschirm, bei ready2order gibt es aktuell kein KDS. Gastronovi ist in dem Punkt die stärkste Option.
Wenn du einen Imbiss, ein Café oder einen Foodtruck betreibst, brauchst du kein KDS. Dein Koch steht neben der Kasse und sieht den Bon direkt.
Reservierungs-Integration: Quandoo-Aus zwingt zum Wechsel
Reservierungs-Integration heißt: Dein Reservierungssystem und dein Kassensystem reden miteinander. Gast reserviert online einen Tisch, im Tischplan der Kasse ist der Tisch ab 30 Minuten vor Ankunft als reserviert markiert, Kellner sieht Namen und Personenzahl.
Wer integriert sich mit wem (Stand 04/2026)?
- Gastronovi: eigenes Reservierungsmodul, 89 Euro pro Monat.
- orderbird: direkte Resmio-Integration.
- Lightspeed: diverse Drittanbieter-Integrationen über Marketplace.
- Tillhub: Reservierungsmodul vorhanden.
- ready2order: kein natives Reservierungssystem, Anbindung nur über Drittanbieter.
- OpenTable: POS-Integration mit mehreren Systemen.
Wenn du online Reservierungen annimmst, ist die Integration kein Luxus. Jede manuelle Übertragung einer Reservierung in den Tischplan ist eine Fehlerquelle. Bei 30 Reservierungen pro Abend spart dir eine saubere Integration spürbar Zeit.
Liefer-Plattformen anbinden: Lieferando, Uber Eats, Wolt
Wenn du auf Lieferando, Uber Eats oder Wolt gelistet bist, kennst du das Problem: Jede Plattform hat ein eigenes Tablet, ein eigenes Geräusch, ein eigenes Interface. Und jemand muss die Bestellung manuell in die Kasse tippen.
Die saubere Lösung: Aggregator-Middleware (Mergeport, Stuart und andere). Die Middleware empfängt Bestellungen von allen Plattformen und schiebt sie in einer einheitlichen Schnittstelle ins Kassensystem. Bon druckt automatisch, KDS-Eintrag erscheint, Fahrer-Zeit wird mit angezeigt.
Anbieter-Status (Stand 04/2026):
- POSSUM: Anbindung an mehr als 20 Liefer- und Bestellplattformen via Mergeport.
- Lightspeed: Marketplace-Integrationen für die großen Plattformen.
- SIDES: spezialisierter Anbieter für Lieferportal-Integration.
- ready2order: Lieferando-Integration laut Support-Seite nicht verfügbar.
POSSUM
Für Betriebe mit starkem Liefergeschäft (Pizzerien, Asia, Burger-Konzepte) ist POSSUM eine der wenigen Standard-Kassen mit direkter Anbindung an mehr als 20 Liefer-Plattformen. Wenn Lieferando und Uber Eats einen relevanten Umsatzanteil ausmachen, ist das ein klares Auswahl-Kriterium. Zusätzlich bietet POSSUM Vor-Ort-Service, was bei größeren Restaurants mit komplexer Technik oft den Ausschlag gibt.
Kostenseitig ist die Middleware meist ein Zusatzmodul, oft mit Pauschalgebühr plus Pro-Bestellung-Kosten. Rechne das gegen die Personalzeit, die du bisher für manuelle Übertragung aufbringst. Ab einer gewissen Bestellmenge rechnet sich das schnell.
DATEV, Lexoffice & Hotelsoftware: Schnittstellen die Geld sparen
Kassensysteme produzieren Daten, die dein Steuerberater regelmäßig braucht. Ohne Schnittstelle bedeutet das: CSV-Export, manuelles Aufbereiten, Einlesen. Mit Schnittstelle: Einmal einrichten, läuft.
DATEV. Die Schnittstelle für die meisten deutschen Steuerberater. Kassendaten im DATEV-Format, direkter Import. Anbieter mit DATEV-Schnittstelle (Stand 04/2026): ready2order, orderbird, Tillhub, Vectron, SumUp, Gastronovi, Lightspeed.
Lexoffice und Lexware. Relevanter für kleinere Betriebe, die selbst buchen oder mit einem Buchhaltungsbüro arbeiten. flour.io bietet Buchhaltungsanbindungen an. Lexoffice integriert sich mit mehreren Kassensystemen oft über DATEV Unternehmen Online.
Hotelsoftware. Nur relevant, wenn du ein Restaurant in einem Hotel betreibst. Lightspeed bietet Hospitality-Integrationen. Für reine Gastronomen ist das nicht relevant.
Welche Funktionen braucht welcher Betriebstyp? Die Matrix
Die folgende Tabelle bricht die Anforderungen nach Betriebstyp auf. MUSS heißt: nicht verhandelbar. Empfohlen: solltest du haben. Optional: nice-to-have. Nein: Ballast, der nur Geld kostet.
| Funktion | Restaurant | Café | Foodtruck | Bar/Club | Bäckerei | Systemgastro |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Tischverwaltung | MUSS | optional | nein | optional (Tabs) | nein | optional |
| Funkbonierung | MUSS | optional | nein | empfohlen | nein | optional |
| Gangsteuerung | MUSS | nein | nein | nein | nein | nein |
| Splitbuchung nach Artikeln | MUSS | optional | nein | empfohlen | nein | optional |
| Happy Hour | optional | nein | nein | MUSS | nein | optional |
| Schnellwahl-Buttons | optional | empfohlen | empfohlen | MUSS | MUSS | MUSS |
| RFID-Chipkarten | nein | nein | nein | optional (Club) | nein | nein |
| Rezepturverwaltung | empfohlen | nein | nein | nein | optional | MUSS |
| QR-Bestellung | optional | optional | optional | optional | nein | optional |
| KDS (Küchenmonitor) | empfohlen | nein | nein | nein | nein | MUSS |
| Offline-Modus | empfohlen | empfohlen | MUSS | empfohlen | MUSS | empfohlen |
| Lieferportal-Integration | optional | optional | optional | nein | nein | MUSS |
| Multi-Standort | optional | optional | optional | optional | empfohlen | MUSS |
| Mobile Kartenzahlung | empfohlen | MUSS | MUSS | MUSS | MUSS | MUSS |
Konkrete Empfehlungen pro Betriebstyp:
Restaurant mit Tischservice. ready2order mit Gastro-Paket, Gastronovi, Lightspeed oder orderbird. Tischverwaltung, Gangsteuerung und Funkbonierung sind Pflicht. KDS empfohlen. Details im Restaurant-Ratgeber.
Café. orderbird (iPad-nativ, einfach), SumUp Pro (günstig, Basis-Tischverwaltung), ready2order Basis. Bedienkomfort wichtiger als komplexe Gastro-Features. Mehr im Café-Ratgeber.
Foodtruck. Offline-Fähigkeit ist Pflicht, weil schlechte LTE-Abdeckung im Außenbereich Standard ist. SumUp, ready2order Basis, Speedy (Android-basiert). Keine Tischverwaltung nötig. Siehe Foodtruck-Ratgeber.
Bar und Club. Schnelle Bedienung, Tab-Funktion (offene Rechnung pro Gast), Happy Hour automatisch, Trinkgeld-Erfassung. Für RFID-Chipkarten spezialisierte Anbieter (Duratec, OPC cardsystems). Details im Bar-Ratgeber.
Bäckerei. Schnellwahl-Buttons, Filialverwaltung bei Multi-Standort, kein Tischservice. SumUp, ready2order Basis, Speedy. Teilweise backwaren-spezifische Kategorisierung.
Systemgastronomie. Multi-Standort, KDS, Lieferportal-Integration, Rezepturverwaltung für Portionskontrolle. Lightspeed, Vectron, Gastronovi.
Drei typische Stolperfallen beim Feature-Vergleich
Bei der Kassen-Auswahl gibt es ein paar wiederkehrende Fallen, über die viele Gastronomen stolpern. Hier die wichtigsten drei.
Stolperfalle 1: Offline-Modus ist nicht gleich Offline-Modus
Frag beim Anbieter explizit nach: Was funktioniert offline, was nicht? Wie lange hält der Offline-Puffer? Was passiert mit Kartenzahlungen?
Stolperfalle 2: Splitbuchung nur gleichmäßig
Wie oben schon erwähnt: Günstige Systeme teilen oft nur gleichmäßig. Fair ist das nicht, und es sorgt am Tisch für Diskussionen. Beim Demo-Termin gezielt fragen: „Kann ich nach einzelnen Artikeln splitten?“ Und zeigen lassen. Wenn du nur „Rechnung durch 4“ siehst, ist das ein Ausschlusskriterium für Vollservice-Restaurants.
Stolperfalle 3: Das Gastro-Paket kommt oben drauf
Das gilt nicht nur für ready2order. Auch andere Anbieter arbeiten mit modularen Tarifen. Frag nach allem, was du für deinen Betrieb brauchst, und lass dir eine Komplettsumme geben, nicht den Lockpreis. Mehr zum Thema Preisaufbau findest du im Kosten-Ratgeber für Gastronomie-Kassen.
Kassensysteme für die Gastronomie im Überblick
Die wichtigsten Gastro-Anbieter im Vergleich
Alle genannten Systeme findest du hier in der direkten Gegenüberstellung mit Preisen, Funktionen und Kundenbewertungen:
- Gastronomie
- Einzelhandel
- Dienstleistungen
- schnelle Einrichtung, leichte Bedienung
- speziell für KMU
- viele Statistiken, Warenwirtschaft, CRM etc.
- alle Branchen
- zahlreiche Module & Analyse-/ Reportmöglichkeiten
- Anbieter richtet Kasse ein
- Anbieter schult den Unternehmer
- stationäre und mobile All-in-One Systeme (Zahlung, Drucker, Kundendisplay)
- Gastronomie
- Einzelhandel
- Dienstleistungen
- Android-basiert, leichte Bedienung
- viele Tools: CRM, Reporting etc.
- Module für zahlreiche Anwendungsfälle
- Gastronomie
- Hotel
- Einzelhandel
- robuste Touchscreenkassen
- ausgereifte Software
- Hard- und Software aus einer Hand
- Gastronomie
- Einzelhandel
- Dienstleistungen
- leichte Bedienung, iOS & Andoid
- Fokus auf KMU & Großunternehmen
- zahlreiche Module: Datev-Export, Gutscheinverwaltung, Warenwirtschaft, Online-Shop, Berichte
FAQ
Welche Funktionen sind bei einem Gastro-Kassensystem Pflicht?
Brauche ich Tischverwaltung auch im Café oder Imbiss?
Was ist der Unterschied zwischen QR-Speisekarte und QR-Bestellung?
Welches Kassensystem hat ein kostenloses KDS?
Was passiert mit Quandoo-Reservierungen nach der Abschaltung?
Wie wichtig ist RFID-Chipkarten-Integration?
Kann ich bei ready2order die Gastro-Funktionen auch einzeln buchen?
Quellen
- ready2order Preisübersicht (verifiziert 04/2026)
- ready2order Support: Verfügbare Funktionen
- Lightspeed KDS (Küchenmonitor)
- Gastronovi Kassensystem
- POSSUM Lieferportal-Anbindung
- Quandoo-Abschaltung September 2026: Hintergrund
Alle Anbieter im direkten Vergleich findest du in unserem Gastronomie-Kassensystem-Vergleich. Wenn du wissen willst, was die einzelnen Systeme konkret kosten, hilft dir unser Kosten-Guide für Gastronomie-Kassen.